Wider den Methodenzwang – in memoriam Paul Feyerabend

Für die, die ihn nicht kennen: Paul Feyerabend war einer der, wenn nicht überhaupt der renommierteste(n) kritische(n) Wissenschaftstheoretiker. Ich bin mit vielen seiner inhaltlichen Positionen, die er vor allem später in seinem Leben angenommen hat, nicht einverstanden – wobei niemand so genau weiß, wie ernst er all das jeweils meinte; er konnte Ansichten auch täglich wechseln.

Das ist aber bei ihm auch alles gar nicht der Punkt. Denn im Grunde geht es überhaupt nicht um seine inhaltlichen Positionen, sondern darum, dass er – was man auf Grundlage des verlinkten Videos nicht unbedingt annehmen wird :-) – mit seiner fundierten Kritik an der Wurzel der heute wieder grassierenden Selbstverständlichkeit der scientific community angesetzt hat: an der dogmatisch gesetzten Methodik wissenschaftlicher Forschung und Erkenntnis – grundsätzlich und in den einzelnen Disziplinen.

Wissenschaft kann auch verdummen, weil sie einschränkend wirkt und Möglichkeiten verbaut, statt sie offen zu lassen (oder gar: zu öffnen) – und es ist keiner mehr da, der das begründet und über jeden professionellen Zweifel erhaben attackiert. Es herrscht ein fataler Mangel an integeren und kompetenten Dissidenten, die dem einengenden Mainstream der zunehmend autoritären und gerne auch alarmistischen „wissenschaftlichen Aufklärung“ ein besseres (nicht: ein rückschrittliches) Modell dadurch eröffnen könnten, dass sie den status quo in Frage stellen.

Vor 20 und ein bisschen Jahren – am 11. Februar 1994 – ist Paul Feyerabend, viel zu früh, an einem Hirntumor gestorben. Er fehlt.

P.S.: Nein, ich bin immer noch nicht religiös. 😉