Ein Wort zu Ken Jebsen

„Immer wenn ich auf Youtube aus Versehen
ein Video von Ken Jebsen anklicke,
will ich auf der Stelle Zionist werden.

– Christian Ulmen

 

Ken Jebsen bedient mit seinen perfiden Nahelegungen, haltlosen Andeutungen und raunenden Fragen sowohl in Deutschland als auch insbesondere in der „alternativen Szene“ ohnehin schon in Besorgnis erregendem Ausmaß bestehende Ressentiments: gegen Israel, gegen die USA, gegen die Westbindung Europas, gegen „das Kapital“, gegen einen nicht fehlerfreien, aber seriösen Journalismus (Stichwort „Lügenpresse“).

Er agitiert tief eingebunden in ein Netzwerk aus sattsam bekannten Verschwörungsideologen, die sich ausschließlich wechselseitig und reihum durch Querverweise selbst adeln und bestätigen. Sein möchtegern aufklärerischer Duktus kontrastiert mit dem Irrwitz der vermittelten Inhalte aufs Abenteuerlichste.

Man könnte herzlich über diesen Unsinn lachen, wenn einem nicht immer wieder ausgerechnet Menschen aus der anthroposophischen Szene und der Waldorfbewegung zeigen würden, wie unfassbar anfällig sogar erwachsene, denkfähige Menschen für Propaganda, Lügen, Insinuationen und schlichten Stuss sind. Dass und warum man „chez nous“ auf diese Neigung zu Verschwörungsmythen aller Art, zu neurechten Ideologemen und zur Querfront-Bewegung dieser Tage trifft, hat unser Autorenkollege Ansgar Martins in diesem luziden Artikel auf seinem Blog dargelegt.

In jüngster Zeit wurde Ken Jebsen, der tragischerweise selbst ehemaliger Waldorfschüler ist, mehrfach zu Vorträgen oder Projekttagen an deutschen Waldorfschulen eingeladen. Man weiß nicht so recht, ob von Oberstufenschülern, Eltern oder einzelnen Lehrern. Die Schulen haben bislang ausnahmslos gut und richtig – wenn auch erst auf den letzten Drücker – reagiert, Jebsen wieder ausgeladen und entsprechende Distanzierungen veröffentlicht.

Das ist vollkommen richtig, denn auch Waldorflehrer haben – wie Lehrer überhaupt – u.a. die Aufgabe, ihre Schüler zu schützen und ihnen erst Urteilsfähigkeit zu vermitteln, indem sie ihnen das nötige Rüstzeug mitgeben, das es erlaubt, Wahn von Wirklichkeit, Nahelegung von Hypothese, Propaganda von Meinungsäußerung und facts von fiction zu unterscheiden. Phänomene wie Ken Jebsen stellen Lehrer hier vor neue Herausforderungen.

Und – nein! –, es ist nicht im Dienst von Vielfalt, Ausgewogenheit, Demokratie und freier Meinungsäußerung jeder noch so absurden Meinung ein Forum zu bieten – erst recht nicht vor unvorbereiteten Schülern. Das kann man allenfalls im Rahmen eines „Gegen Menschenfänger“-Projektes machen, in dem man Schüler zuvor gut vorbereitet und ihnen dann Jebsen oder einen der anderen „Wahrheitsritter“ gegenübersetzt. Vielleicht wäre das sogar ein heilsamer Ansatz.

Wenn der Zeitaufwand, der betrieben wird, um Jebsen & friends zu lauschen und ihren ausgelegten Fährten in trübe Gewässer zu folgen, darauf verwendet würde, sich tatsächlich und aus seriösen Quellen zu informieren, wäre in jedem Fall schon viel gewonnen.

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